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Einheitliche Regelungen zum Umgang mit Corona in den Kindertageseinrichtungen

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  • eikeostendorf
    antwortet
    Die Information, dass in Baden-Württemberg ab 18. Mai Schritt für Schritt ein reduzierter Regelbetrieb in den Kita eingeführt werden soll, erwies sich als falsch. Dabei hatte die Ministerin dies am 6. Mai in einer Pressemitteilung so angekündigt. In einer neuen Verordnung vom 9. Mai, die den Trägern erst am 11. Mai vorlag, stand davon plötzlich kein Wort mehr. Stattdessen soll die erweiterte Notbetreuung bis zum 15. Juni weitergehen. Das schließt die Mehrzahl der Kinder weiter vom Kita-Besuch aus. Das Recht der Kinder aus Bildung und Förderung in der Kita und ihr Recht auf den Kontakt mit Gleichaltrigen bleiben unberücksichtigt. Der Landesverband Baden-Württemberg des Deutschen Kitaverbands, der die freien, unabhängigen Kita-Träger vertritt, reagierte bereits: https://www.deutscher-kitaverband.de...-regelbetrieb/
    Viele Grüße aus Stuttgart
    Eike Ostendorf-Servissoglou

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  • Detlef Diskowski
    antwortet
    "KONZEPT-e" ein sehr engagierter freier Träger mit Einrichtungen in mehreren Bundesländern hat sein Konzept zur Vereinbarkeit von Bildung und Gesundheit veröffentlicht. Weil ich hier interessante Überlegungen finde und wichtig finde, dass Träger Konzepte für diese Situation entwickeln und sich damit auch öffentlich präsentieren, möchte ich das "Wechselkonzept" gerne hier dokumentieren:


    Presse-Information


    Allen Kindern in Deutschland den Kita-Besuch ermöglichen

    Symptomfreiheit aller Haushaltsmitglieder als erweitertes Konzept zum Gesundheitsschutz

    Die Kindertageseinrichtungen in Baden-Württemberg werden ab dem 18. Mai über die erweiterte Notbetreuung hinaus geöffnet. Doch nach wie vor gelten Einschränkungen – lediglich maximal 50 Prozent der Kinder dürfen gleichzeitig anwesend sein. „Welche Kinder in den Genuss der Förderung kommen, darf nicht allein vom Bedarf der Eltern abhängen. Kinder haben ein Recht auf den Besuch in ihrer Kita, um sich die Welt kindgemäß aneignen und ihre Persönlichkeit entwickeln zu können“, betont das Bildungsträger-Netzwerk Konzept-e. Der Träger mit Einrichtungen in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen führt ein Wechselsystem ein, dass es allen Kindern er-möglichen soll, stunden- bzw. tagesweise wieder in die Kita zu gehen. Ein erweitertes Hygienekonzept, das den Gesundheitszustand aller Haushaltsmit-glieder einbezieht, gewährleistet den Gesundheitsschutz.

    Stuttgart, 11. Mai 2020 – „Kinder haben ein Recht auf gute Bildung und eine gesunde persönliche Entwicklung“, betont Carola Kammerlander, pädagogische Geschäfts-führerin des Bildungsträgernetzwerks Konzept-e aus Stuttgart. „Unabdingbar dafür ist das Spiel mit anderen Kindern ähnlichen Alters, indem sie Ideen austauschen, Regeln aushandeln, Erlebnisse verarbeiten und sich gegenseitig Orientierung geben.“
    Der Besuch einer Kita als kindgerechtem, freudigem Sozialisations- und Lernort, der ihnen dies in einem anregungsreichen Umfeld ermöglicht, sei aus diesem Grund von zentraler Bedeutung für die Entwicklung der Mädchen und Jungen. „Das Recht auf den Besuch einer Kindertagesstätte darf nicht nur vom Bedarf der Eltern abhängen. Es ist das ureigene Recht jedes Kindes selbst.“

    Kita-Zeiten für jedes Kind
    Das Konzept-e Netzwerk, zu dem rund 40 element-i Kinderhäuser in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen gehören, entwickelt daher ein Wechselkonzept. Es ermöglicht allen Kindern jeweils in reduziertem zeitlichen Umfang (zum Beispiel in einem rollierenden System oder einem „Schichtbetrieb“) den Zugang zur Kita-Betreuung. Und: Das Konzept verschafft ihren Rechten auf Bildung und Gesundheit gleichermaßen Geltung. Folgende Gesundheitsschutzmaßnahmen stellen das sicher:

    Betreuung in festen Kleingruppen (Kohorten)
    In den element-i Kinderhäusern betreuen künftig zwei pädagogische Fachkräfte fünf bis maximal zehn alters- und entwicklungsähnliche Kinder. Sie bilden eine sogenannte Kohorte und bleiben von anderen im Haus streng räumlich getrennt. Ihnen stehen Räume zur Verfügung, die doppelt so groß sind, wie es die Vorgaben in der Vor-Corona-Zeit vorsahen. Die regelmäßig gereinigten Gemeinschaftsflächen nutzen sie abwechselnd mit den anderen Gruppen.

    Voraussetzung: Symptomfreiheit
    Um die Sicherheit der Kleingruppen zu gewährleisten, dürfen nur Kinder und Fachkräfte in die Kita kommen, die möglichst sicher Corona-frei sind. „Da die Unterscheidung zu anderen grippalen Erkrankungen nur schwer zu treffen ist und Corona-Tests nicht immer erhältlich sind, schließen wir die Haushalte, in denen die Kinder leben, in die Betrachtung ein“, erklärt Konzept-e Geschäftsführerin Waltraud Weegmann. Das bedeutet: Die Kinder selbst und auch alle Mitglieder ihres Haushaltes dürfen seit mindestens 48 Stunden keine über 37 Grad erhöhte Köpertemperatur haben oder an Husten bzw. Atemnot leiden. Eltern müssen dies schriftlich zusichern und sich verpflichten, bei auftretenden Symptomen ihr Kind zuhause zu behalten und die Kita sofort zu informieren.

    Dokumentation der Anwesenheitszeiten
    Das Kita-Team dokumentiert nicht nur die Anwesenheit der Kinder in der Einrichtung genau. Personen, die die Kinder bringen und abholen, werden einbezogen. So lässt sich in einem Corona-Verdachtsfall nachvollziehen, welche Kontakte stattgefunden haben.

    Spagat zwischen kindgerechter Gemeinschaft und Sicherheit
    „Wir sind überzeugt, dass wir möglichst vielen Kinder wieder die Möglichkeit geben müssen, ihre Freunde in ihrer Kitaumgebung treffen zu können“, sagen Waltraud Weegmann und Carola Kammerlander. „Dafür ist ein Spagat zwischen Freiheit, erweiterten Sozialkontakten und Sicherheit nötig. Mit unserem Konzept, denken wir, ist er in verantwortbarer Weise gelungen.“


    Weitere Informationen und das Positionspapier finden Sie hier: www.element-i.de/corona.
    Sollten Sie Interesse an einem Interview haben, nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf.


    Presse-Kontakt:
    Konzept-e für Bildung und Betreuung gGmbH
    Svenja Dreher
    Wankelstraße 1
    70563 Stuttgart
    Tel. 0711/65 69 60 – 6976
    E-Mail: svenja.dreher@konzept-e.de
    www.konzept-e.de

    ---


    Löwen-Markt 8
    70499 Stuttgart

    Telefon 0711 65227930
    Mobil 0173 4896569

    E-Mail eos@eoscript.de
    Web www.eoscript.de

    Konzept-e 200511_PM_Kita-Betreuung für alle Kinder.pdf
    Angehängte Dateien

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  • Detlef Diskowski
    antwortet
    Ich weiß nicht, ob der Föderalismus insgesamt ein Vorteil ist, aber die allgemeine Klage über das Fehlen bundeseinheitlicher Regelungen kann ich auch nicht nachvollziehen. Ich denke, hier muss man differenziert sein: Manches ist europäisch, manches national, manches länderspezifisch und manches kommunal zu regeln - je nachdem.
    In diesem konkreten Fall sehe ich aber die Gefahr eines Wettbewerbs um die weitestgehenden Lockerungen, weil es eine unheilvolle Tendenz gibt, sich einer gemachten Stimmung anzupassen. Zwar stimmt die überwiegende Mehrheit in Deutschland den Maßnahmen der Regierung zu, aber eine lautstarke Minderheit verlangt Lockerungen - als ob man mit dem Virus verhandeln könnte. Das ist nicht rational.

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  • Hascheff
    antwortet
    Ich stimme Ihnen voll zu. Zu Ihrem Punkt 2 möchte ich noch etwas ergänzen.

    Das Bertelsmann-Papier sagt richtig, "Dringend erforderlich sind wissenschaftliche Studien", diese werden aber nicht so bald in der erforderlichen Zuverlässigkeit vorliegen. Wir sind also darauf angewiesen, aus Erfahrungen - auch negativen - zu lernen. Vermeiden lassen sich negative Erfahrungen nur durch Beibehaltung der umfassenden Einschränkungen, aber die sind aus verschiedenen Gründen nicht länger haltbar.

    Ich halte es entgegen oft geäußerter Meinung für einen Vorteil des Föderalismus, dass er dezentrale Lösungen erleichtert. Sicher wird an der einen oder anderen Stelle zu schnell gelockert werden, aber einem lokalen Ausbruch sollte unser Gesundheitssystem inzwischen gewachsen sein.

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  • Einheitliche Regelungen zum Umgang mit Corona in den Kindertageseinrichtungen

    Die Bertelsmann-Stiftung hat eine aus meiner Sicht äußerst ausgewogene und abwägende Stellungnahme herausgebracht, die sich wohltuend von manchen aufgeregten und alarmistischen Stellungnahmen abhebt.https://www.bertelsmann-stiftung.de/...orum_final.pdf

    In einem Punkt aber möchte ich ausdrücklich widersprechen – und der scheint mir so wichtig, dass ich ihn anmerken und die Gründe für die Ablehnung darstellen will. Die Stiftung schreibt: „Es braucht gemeinsame Abstimmungen von Bund und Ländern, in die auch Vertreter*innen von Trägern, Fachkräften und Elterneingebunden sind. Diese sollten zu einheitlichen Regelungen führen, damit Vertrauen und Akzeptanz in die Vorgehensweisen aufgebaut werden und ihre Umsetzung unterstützt wird.“

    In dieser Forderung zeigen sich m.E. zwei grundlegende Missverständnisse:

    1. Mein Vertrauen in die „Vertreter*innen“ hinsichtlich ihrer Kenntnis der konkreten Arbeitsbedingungen in den Einrichtungen ist begrenzt!
    Es geht hier nicht um allgemeine und abstrakte Einschätzungen und Bewertungen, zu denen die „Vertreter*innen“ in der Regel gut geeignet sind; sondern es geht beim Umgang mit dieser Pandemie im konkreten Handeln vor Ort. Es geht hier nicht um Interessenvertretung, was ich den „Vertreter*innen i.d.R. sehr zutraue, sondern es geht um organisatorische, pädagogische und Managementfragen, die nicht den Alltag der Vertreter*innen bestimmen, sondern den Alltag von Leitungskräften, Erzieher*innen und anderen Mitarbeiter*innen.
    Das führt mich zu dem zweiten Punkt.

    2. Es ist ein Missverständnis über die Steuerungsmöglichkeiten und -aufgaben, wenn Bund und Länder einheitliche Regelungen für einen Umgang mit der Pandemie vor Ort entwickeln sollen!
    Nicht nur die Rahmenbedingungen in den fast 57.000 Einrichtungen in Deutschland sind höchst unterschiedlich (Zusammensetzung der Elternschaft, Bedarfe der Kinder, jeweilige Infektionslage…), sondern vor allem sind es die jeweiligen Handlungsmöglichkeiten (räumliche und personelle Bedingungen…). Wenn zentrale Stellen (und das sind der Bund, die Länder, die Jugendämter) einheitliche Regelungen vorgeben, kann das Ergebnis nur Unsinn sein und zwar umso größerer Unsinn, je konkreter die Vorgaben sind. Gut gemeint ist selten auch gut gemacht, und eine Regelung, die in der einen Kita funktioniert, bringt in der anderen Kita den Betrieb zum Erliegen. Eine Öffnung, die in einer Kita möglich ist, stellt in einer anderen eine hohe Gefährdung für Kinder und Mitarbeiter*innen dar.
    Die Menschen, die sich in Steuerungsverantwortung befinden, müssen ihrem eigenen Bestreben widerstehen, das ihnen sinnvoll Erscheinende zu bestimmen. Vor allem aber müssen sie dem Wunsch von Eltern, Kitamitarbeiter*innen widerstehen, genaue Vorgaben zu erhalten. Es ist hier wie beim Thema „Aufsichtspflicht“. Das pädagogisch Richtige ist nicht das Abarbeiten eines Regelkatalogs, sondern die fachgerechte Umsetzung abstrakter Normen!

    Die Klugheit von „einheitlichen Regelungen“ wird sich darin zeigen, ob sie die Balance zwischen Orientierung und Offenheit für die jeweilige Situation vor Ort finden! Das ist ein schwieriges Geschäft und keines bei dem eine Abstimmung von Interessenvertretungen hilfreich ist. Vielmehr wird man ähnlich wie bei gesetzlichen Regelungen nicht nur die Erreichung des gewünschten Ziels, sondern vor allem die möglichen Nebenwirkungen!!! zu bedenken haben. Die Beteiligung von Praktiker*innen ist also sehr sinnvoll und wünschenswert, in dem sie die angedachten Regelungen auf unerwünschte Nebenwirkungen abklopfen.
    Solche abstrakten Regelungen werden seit Wochen propagiert und in dieser Richtung muss weiter gedacht werden. Also z.B.:
    „Soviel Abstand und Hygiene wie möglich, um das Hauptziel des Betriebs (Erziehung, Bildung und Betreuung) nicht zu verfehlen.“
    „So wenig Raum-, Kinder- und Erzieher*innen-wechsel wie möglich, angesichts der Raumsituation, der zuzulassenden Kinder und des zur Verfügung stehenden Personals!“
    „Keine Betreuung von Kindern mit Krankheitssymptomen!“
    ……

    Einen solchen Diskurs zwischen Menschen in Steuerungsverantwortung und Praktiker*innen wünschte ich mir, und nicht nur in Corona-Zeiten!
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