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Aktiv für Kinder und Familien - trotz und wegen Corona

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    #16
    Mit Erlaubnis von Erni Schaaf-Peitz darf ich hier einen Text veröffentlichen, der den Umgang mit der Notbetreuung in einer Kita in Rheinland-Pfalz beschreibt. Vielen Dank für das Engagement und für die Mühe, diese Arbeit zu dokumentieren:

    Unser Umgang mit der Notbetreuung von Erni Schaaf-Peitz, Kita-Leiterin in Rheinland-Pfalz
    Für die Notbetreuung in den Kitas gibt es - so sehen wir das in unserer Kita - oft praxisferne Empfehlungen oder Vorgaben, die bestimmte Aspekte überbetonen und andere wichtige vernachlässigen. Wird der Schutz der Mitarbeiter zum Hauptzweck, geraten sehr leicht die Bedürfnisse der Kinder und ihrer Familien aus den Augen. Durch die Corona-Krise wird aber unser gesetzlicher Auftrag nicht aufgehoben. Wir müssen ihn so gut es geht vorübergehend unter den veränderten Bedingungen ausführen. Denken wir nur an den Augenblick, werden wir es hinterher umso schwerer haben.
    Darum versuchen wir, uns als Mitarbeiter zu schützen und die (Not-)Betreuung der Kinder nicht als notbedürftige Betreuung, sondern qualifiziert und professionell durchzuführen.

    Dementsprechend gibt bei uns kein rotierendes Notbetreuungsteam. Wir haben ein festes Kleinteam zusammengestellt, das kontinuierlich für die Kinder da ist. Zwar sind wie im Normalfall nicht immer alle Erzieherinnen anwesend, denn wenn weniger Kinder da sind, 'sparen' wir Arbeitskraft. Dieses Kleinteam wurde nach dem Prinzip der Freiwilligkeit und weiteren Kriterien zusammengestellt, wie Vollzeitkraft, Belastbarkeit und familiärem Hintergrund.
    Für dieses Team und die Kinder haben wir einen Bereich unserer Kita abgetrennt und eingerichtet: dort findet nun vorläufig die Betreuung statt. Übertragungswege sollen rdeuziert werden, die Bedürfnisse der Kinder sollen durch die Ausstattung weitgehend befriedigt werden können. Dazu gehört auch ein schwerpunktmäßiger Aufenthalt im Gartengelände. Wir reflektieren täglich, ob bezüglich des Befindens/Wohlergehens der Kinder Veränderungen nötig sind.
    Übrigens: frisches Essen wird täglich gereicht.

    Die weiteren Kolleginnen arbeiten ebenfalls IN der Kita. Jetzt haben wir Zeit für Vieles, wozu wir sonst nicht kommen. Das legen wir 'großzügig' aus, z.B. Räumaktionen - Malern/Streichen - Aussortieren – Näharbeiten (u.a. für den Verkleidungsbereich) - Dokumentationen - Fachlektüre/Filme bearbeiten/besprechen - Konzeptiosarbeit / Aktualisierung in Kleingruppen vorbereiten. Die Kolleginnen haben sich einen Arbeitskatalog erstellt für die Zeit bis Ostern. Die Kolleginnen arbeiten ihrem Dienstplan entsprechend.

    Zum Schutz der Kolleginnen sind die Teamsitzungen ausgesetzt, doch jetzt sind wir dabei zu überlegen, ob und wie wir anders damit umgehen können. Im Bundestag gibt es ja auch eine andere Sitzordnung, die ein Weiterarbeiten ermöglicht.
    Die Regeln, wie Abstand halten oder sich verteilen in den Räumen, und die Hygienemaßnahmen sind allen bekannt und werden eingehalten. Ggf. täglich wird neu informiert und abgesprochen. Das stärkt den Zusammenhalt und das Sicherheitsgefühl.
    Alle Kolleginnen, die in dieser Darstellung ihren Platz haben, finden die Struktur und die aktive Teilhabe für ‚unsere’KiTa förderlich. Die Stimmung ist gut, der Austausch rege und alle auf gleichem aktuellen Informationsstand.

    Ergänzend kommt hinzu:
    • Die Möglichkeit sich rauszuziehen, sei es mit mobiler Arbeit, Urlaub, Abbau von Überstunden oder Arbeitsunfähigkeit ist jederzeit - nach Rücksprache - gegeben.
    • Dauerhaft im Homeoffice zu arbeiten, sehen wir über einen solch langen Zeitraum als nicht machbar an. Gegen das isolierte Arbeiten spricht unser Anspruch im 'sozialen Feld'. Konzeptionsarbeit funktioniert zu Hause nicht, wochenlang frühere Beobachtung zu dokumentieren, geht auch nicht, kurz: die digitalisierte Arbeit ist in diesem Umfang für KiTas unpassend. Sie ist dann nützlich, wenn sie auch 'im Normalfall' günstiger außerhalb der Einrichtung im Einzelfall durchzuführen wäre. Zu aufwendig auch das Einhalten von Datenschutz und Dokumentation der Arbeitsinhalte und -zeiten für den Arbeitgeber.
    • Bei uns als kommunaler Einrichtung gibt es die Möglichkeit, Arbeit unmittelbar im ‚System‘ wie Telefondienst im Gesundheitswesen o.ä. zu leisten; auch diese Wahlmöglichkeit steht denjenigen offen, die sich einen Einsatz in der Kita nicht zutrauen.
    • Schließlich ergänzt die individuelle Entscheidung, sich arbeitsunfähig schreiben zu lassen. Das ist ja bundesweit gelockert worden und eine legitime Möglichkeit. Wenn sie auch nicht unmittelbar der Kita und dem Team nutzt, muss sie doch im Einzelfall akzeptiert werden.
    • Die Betreuung der Mitarbeiterinnen-Kinder wird z.Zt. von den Vätern übernommen, die in Kurzarbeit sind. Sonst würden die Kolleginnen hierfür freigestellt, nachdem sie zuvor ihren Resturlaub aus 2019 genommen oder Überstunden abgebaut haben.
    So versuchen wir fachlich, professionell und human mit der aktuellen Situation umzugehen. Zu bedenken ist stets, dass wir - jenseits aller fachlichen Überlegungen - als Beschäftigte im öffentlichen Dienst eine gesicherte Arbeit in einem systemrelevanten Bereich und daher auch ein gesichertes Entgelt haben. Dem fühlen wir uns verpflichtet.
    Es grüßt freundlich
    Detlef Diskowski

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      #17
      Liebe Erni, vielen Dank für diesen eindrucksvollen Einblick in eure engagiertge und reflektierte Arbeit! Sehr wichtig und immer wieder zu betonen sind m.E. deine einleitenden Sätze
      Zitat von Erni Schaaf-Peitz Beitrag anzeigen
      Wird der Schutz der Mitarbeiter zum Hauptzweck, geraten sehr leicht die Bedürfnisse der Kinder und ihrer Familien aus den Augen. Durch die Corona-Krise wird aber unser gesetzlicher Auftrag nicht aufgehoben. Wir müssen ihn so gut es geht vorübergehend unter den veränderten Bedingungen ausführen. Denken wir nur an den Augenblick, werden wir es hinterher umso schwerer haben.
      Darum versuchen wir, uns als Mitarbeiter zu schützen und die (Not-)Betreuung der Kinder nicht als notbedürftige Betreuung, sondern qualifiziert und professionell durchzuführen.
      Solchen Ausdruck pädagogischer Professionaliltät vernimmt man leider im Moment nicht so sehr häufig. Deshalb danke dafür, gerade dir als engagierter Gewerkschafterin.
      Es wäre schön, wenn deiner kritischen Haltung gegenüber Homeoffice weitere KollegInnen ihre ergänzende Erfahrungen beisteuern würden. (Anja Behnert und Ninda Sandleben haben hier in ihren Beiträgen weiter oben ihre bisherigen Erfahrungen und Vorhaben dargestellt.) Homeoffice ist nicht Urlaubsverlängerung und es sind keine Hauswirtschaftstage. Es gibt aber gute Erfahrungen mit der Konzeptionsarbeit zu Hause und Online-Meetings zum Austausch. Das geht sicherlich nicht monatelang, aber für einen gewissen Zeitraum kann das eine gute Methode sein - insbes. wenn KollegInnen ängstlich sind oder den Befürchtungen ihrer PartnerInnen entgegentreten müssen.
      Es grüßt freundlich
      Detlef Diskowski

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        #18
        Schöne Ideen gibts in der Facebook-Gruppe: Online-Impulse für Kinder und Eltern während der Corona-Pandemie

        https://www.facebook.com/groups/onli...vity&ref=notif
        Es grüßt freundlich
        Detlef Diskowski

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          #19
          Ein Auszug aus dem aktuellen Newsletter von AV1-Pädagogikfilme:

          Was passiert zur Zeit in Ihrem Team?

          Wenn man, wie es derzeit in vielen Einrichtungen (Kitas und Schulen) geschieht, aus den gewohnten Abläufen herausgerissen wird und sich völlig neuen Aufgaben und Herausforderungen gegenübergestellt sieht, dann passiert i.d.R. auch etwas mit den beteiligten Personen, mit dem Team. Wir haben ganz engen Kontakt zu vielen Einrichtungen und stellen fest, es sind häufig die gleichen Reaktionen und „Mechanismen“, die in solchen Situationen ablaufen:

          Gutes wird besser und Schlechtes wird schlechter

          Teams mit einem guten „Spirit“ laufen in oben beschriebenen Situationen oft zur Hochform auf, haben viele Ideen, kreieren neue Konzepte und wachsen dadurch noch enger zusammen. Das ist die richtig gute Nachricht.
          Aber und jetzt kommts, Teams, in denen es vorher schon nicht stimmte, resignieren nicht selten vor solchen Veränderungen, verzagen, „zerfallen“ und zerstreiten sich noch mehr. Sollte das so sein, ist dringender Handlungsbedarf gegeben: Supervision, Coaching und vlt. auch noch mehr.
          Drum prüfe jeder, was derzeit in seinem Team passiert und h a n d e l e, wenn nötig!
          Das ist meine Empfehlung, denn Sie arbeiten mit Kindern!


          Zur Nachahmung empfohlen: Ein erster (kostenloser) Clip, in dem drei LeiterInnen vom Dakits e.V. in Kassel berichten, wie sie mit ihren Teams zur Hochform aufgelaufen sind und in den letzten Wochen den Kontakt zu „ihren“ Kindern gehalten haben. In der nächsten „AV1-Post“ werden weitere Clips veröffentlicht. Bleiben Sie neugierig!
          https://www.youtube.com/watch?v=ggnTSmrfy7E

          Es grüßt freundlich
          Detlef Diskowski

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